Wie schreibe ich einen guten LinkedIn-Post?

Viele Menschen, die gut schreiben können, scheitern auf LinkedIn.

Ja, denn was heißt „gut” schreiben?

Ein Text ist dann gut, wenn er wirkt. Wenn Menschen ihn lesen und etwas dabei empfinden. Wenn etwas hängen bleibt. Und wie das funktioniert, hängt von der Umgebung ab, in der der Text gelesen wird.

Es macht einen Unterschied, ob jemand abends auf dem Sofa einen Roman liest oder morgens im Zug durch LinkedIn scrollt.

Und genau deshalb macht es auch einen Unterschied, wie man einen guten Text schreibt.

Ich würde sogar behaupten: Die meisten Roman-Autor:innen können keine guten LinkedIn-Posts schreiben.

Weil LinkedIn ein eigenes Genre ist, das erst erlernt werden muss.

Wenn du also bessere LinkedIn-Posts schreiben willst, brauchst du kein weiteres Template. Du brauchst ein Verständnis dafür, in welchem Zustand deine Leser:innen sind – und wie du sie genau dort erreichst. Denn LinkedIn ist Beziehungskunde, nichts anderes. Du redest ja mit deiner Oma auch anders als mit deiner Schwester, oder nicht?

Was macht LinkedIn als Genre aus?

Menschen auf LinkedIn sind nicht fokussiert.

Und das hat nichts damit zu tun, dass sie „keine Aufmerksamkeitsspanne mehr haben“ oder „keine Lust auf lange Texte“. Die Plattform ist einfach so gebaut, dass sie unsere Aufmerksamkeit permanent unterbricht.

Du liest einen Post – und siehst schon den nächsten.

Du schreibst einen Kommentar – und plötzlich ploppt eine Benachrichtigung auf.

Selbst wenn du abends im Bett scrollst, bist du nicht in einem ruhigen Lesezustand.

Und genau das hat Konsequenzen.

Denn ein Text, der in einem ruhigen Zustand funktioniert, funktioniert nicht automatisch in einem unruhigen.

Wie sehen gute LinkedIn-Posts aus?​

Gute LinkedIn-Posts haben keine Einleitung. Sie kommen direkt zur Sache und treffen. Sie liefern keinen Kontext und sie erklären sich nicht.

Ein guter LinkedIn-Post ist also:

  • ein klarer Gedanke
  • schnell erfassbar
  • konkret formuliert
  • ohne unnötige Absicherung

Er sagt nicht alles zu einem Thema. Er liefert nur einen Gedanken, und fertig.

Klingt einfach, aber ist in der Praxis sehr schwer. Denn wir haben gelernt, Dinge „richtig” zu erklären. Vollständig zu sein. Mehrere Perspektiven zu beleuchten.

Aber LinkedIn ist keine wissenschaftliche Arbeit und auch kein Journalismus. LinkedIn ist ein Ort, an dem Gedanken auf andere Gedanken treffen. Und dafür müssen sie greifbar sein.

Warum klassische Schreibregeln auf LinkedIn nicht funktionieren

Viele versuchen auf LinkedIn zu schreiben wie in einem:

  • Essay
  • Blogartikel
  • wissenschaftlichen Text

Mit Einleitung, Kontext, Herleitung und sauberem Abschluss.

Aber das Problem ist: Die Leser:innen sind dafür gar nicht da. Auf LinkedIn liest niemand linear und konzentriert von oben nach unten. Du etwa? Also ich auch nicht.

Wir scannen. Wir entscheiden uns innerhalb von Sekunden, ob wir den Beitrag lesen oder nicht.

Das bedeutet aber nicht, dass LinkedIn-Texte oberflächlich sein müssen oder dass nur Lifestyle-Content mit Selfies funktioniert. Nein, das sind faule Ausreden: LinkedIn-Posts müssen einfach nur anders gebaut sein.

Nicht als geschlossene Argumentation, sondern als Einstieg in einen Gedanken, der sich dann in den Kommentaren weiterentwickeln darf.

Wie du bessere LinkedIn-Posts schreibst (ohne Template)

Du brauchst kein Template und kein neues Framework, du brauchst einfach nur einen anderen Umgang mit deinem eigenen Denken.

1. Finde einen echten Gedanken

Nicht das, was du „auch mal sagen könntest”.

Sondern das, was dich wirklich beschäftigt. Etwas hat dich gestört, überrascht, nicht losgelassen.

Beispiele für Gedanken:

„Ich hab Literaturwissenschaft studiert, aber wenn mich jemand fragt, worum es in einem Buch geht, das ich gelesen habe? Weiß ich nicht, was ich sagen soll.”

„Warum fühlen sich meine LinkedIn-Posts nicht nach mir an?”

„Der CTA ist gar nicht so wichtig für Engagement.”

Ein Gedanke ist kein Thema. Was ist der Unterschied?

Ein Gedanke kommt von innen. Er entsteht nicht weil du nach einem Thema suchst – er ist einfach da, weil du dich mit etwas beschäftigt hast.

Ein Thema dagegen kommt von außen. Du siehst, was andere posten, was gerade diskutiert wird, worüber du „eigentlich mal schreiben solltest.” Produktivität, Authentizität, Grenzen setzen, das sind alles Themen, keine Gedanken.

Der Unterschied zeigt sich beim Schreiben: Bei einem Thema fragst du dich ständig was du noch sagen könntest. Bei einem echten Gedanken weißt du was du sagen willst – du musst es nur noch in Worte fassen.

2. Entscheide dich für eine Perspektive

Ja, die Welt ist komplex.

Ja, es gibt immer Gegenargumente.

Aber weißt du, was? Wenn du alles sagen willst, dann sagst du halt am Ende nichts. Logisch, oder?

Ein LinkedIn-Post ist immer eine Reduktion. Das musst du aushalten. Auch wenn du dann in den Kommentaren korrigiert wirst. Freu dich einfach über das Engagement!

3. Streiche alles, was dich absichert

„Ich glaube …”

„Vielleicht …”

„Kommt drauf an …”

„Natürlich weiß ich, dass …”

Das sind in der Regel keine inhaltlichen Ergänzungen, sondern Schutzmechanismen.

Und die nehmen deinem Text die Klarheit.

4. Formuliere so, dass man dich sofort versteht

Es geht nicht darum, dass du allen zeigst, wie klug du bist und wie viel du weißt.

Sag einfach, was du sagen willst, und zwar so verständlich wie möglich. Komplexe Gedanken dürfen einfach formuliert sein, ohne dass sie an Komplexität verlieren. Warum ist es sonst so schwierig, etwas in einfachen Worten zu sagen?

5. Veröffentliche, bevor dein Post perfekt ist

Der größte Unterschied zwischen Menschen, die auf LinkedIn gelesen werden und denen, die nicht gelesen werden?

Die einen posten, die anderen denken noch darüber nach.

Typische Fehler bei LinkedIn-Posts

Viele Probleme entstehen nicht, weil Menschen nicht schreiben können. Sie entstehen, weil sie sich beim Schreiben selbst ausweichen.

Zum Beispiel:

  • Du nutzt Templates oder ChatGPT – und dann erkennst du dich im Text nicht wieder, oh Wunder!
  • Du formulierst möglichst neutral – damit dich niemand angreifen kann.
  • Du packst alle Perspektiven in einen Post – damit dir niemand vorwerfen kann, etwas vergessen zu haben.
  • Du schreibst extra „professionell” – und berührst damit niemanden
  • Du erklärst zu viel – und verwässerst deinen Gedanken

Das sind alles keine Schreibprobleme. Das sind Schutzstrategien.

Fazit: Gute LinkedIn-Posts entstehen nicht mit Templates

Die meisten suchen nach:

  • der richtigen Struktur
  • der perfekten Hook
  • dem besten Template

Aber gute LinkedIn-Posts entstehen nicht, weil du irgendeine Abkürzung gefunden hast. Sie entstehen durch Klarheit.

Klarheit darüber, was du wirklich sagen willst. Und die Bereitschaft, genau das zu sagen – ohne dich dabei zu verstecken.

Am Ende geht’s nicht darum, wie du schreibst. Sondern darum, ob du schreibst, was du wirklich denkst.

Wenn du willst, arbeite ich mit dir daran. Schau dir hier mein 1:1-Angebot an.

Bild von Julia

Julia Jank

Ich bin Marketingphilosophin & Autorin und arbeite mit Menschen, die sich beim Schreiben nicht mehr hinter Templates und Best Practices verstecken wollen. Auf scribona denke ich über Online-Schreiben als eigene Kategorie nach.

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